Ich habe Vorerkrankungen - habe ich noch Chancen auf eine private Kranken(zusatz)versicherung?

Ich habe Vorerkrankungen - habe ich noch Chancen auf eine private Kranken(zusatz)versicherung?

Geschrieben am 15.08.2019
von Dipl.-Kfm. Martin W. Kopf - zertifizierter Finanzplaner und Experte in Soldatenfragen mit langjähriger Berufserfahrung


Um das einzuordnen müssen wir kurz beschreiben:

Wie läuft eine Risikoprüfung bei einer Krankenversicherung ab?

  • Basierend auf einem konkreten Versicherungsnivau (* Einsteigertarif - ***** Top-Tarif) prüft ein Versicherer die im Antrag aufgeführten Diagnosen und vergleicht diese mit den kalkulierten Kostenschätzungen im Standardfall (also einer bei Antragstellung weitgehend gesunden Personen)  die sich über ein gesamtes Leben ergeben. 
  • Es werden drei große Bereiche geprüft
    • Ambulante Erkrankungen / Behandlungen in der Vergangenheit
    • Zahnerkrankungen /-behandlungen
    • Stationäre Erkrankungen, weil diese in der Regel auf schwerwiegendere Probleme hindeuten, fragen Versicherer in der Regel länger in die Vergangen heit, z.B. 10 Jahre.
    • Psychische Erkrankungen bzw. Beschwerden sind von besonderer Bedeutung und werden teilweise ebenfalls lange in die Vergangenheit abgefragt
  • Innerhalb der Rückfragezeiträume müssen Sie NACH BESTEM WISSEN UND GEWISSEN wahrheitsgemäße Angaben machen. Falls Sie durch fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten sich eine Versicherung erschleichen, kann dies je nach schwere des Vergehens drastische Konsequenzen haben, von nachbezahlen von Risikobeiträgen bis hin zur Verweigerung von Versicherungsleistungen des Versicherers.
  • Fallen manche Beschwerden / Diagnosen aus diesen RÜCKFRAGEZEITRÄUMEN hinaus, und bestehen keine Beschwerden mehr aktuell fort, so müssen keine Angaben diesbezüglich gemacht werden. Ausnahmen sind explizit genannten Beschwerden wie z.B. Amputationen, Prothesen etc.

Wenn es nur um einige geringfügige Erkrankungen geht, kann eine NORMALANNAHME erfolgen, d.h. der normale Beitrag wird fällig. Beispiel einer Normalannahme: leichter saisonaler Heuschnupfen ohne Asthma und ohne Dauermedikation.

Im Ergebnis der Risikoprüfung gibt es drei Wege, wie Versicherungen mit erhöhten Risiken umgehen.

  1. Wenn  mehrere geringfügige Beschwerden zusammenkommen, z.B. leichter heuschnupfen, mit leichter Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) und leichte Verdauungsprobleme in der Grundausbildung (soll es geben ;-) dann kann das bereits der grund sein, warum die Kalkulation nicht mehr ohne Mehrbeitrag funktioniert und das Ergebnis ist ein RISIKOZUSCHLAG oder BEITRAGSZUSCHLAG. In der Regel können bei Krankenversicherungsverträgen diese Risikozuschläge nicht später herausgenommen werden, sofern die Beschwerden wieder abklingen. Achtung: mit gesundem Menschenverstand hat die Entscheidung der Versicherer nichts zu tun, sondern mit versicherungsmathematik. Insofern sind Diskussionen hier fehl am Platz, die einzige Möglichkeit ist einen anderen Versicherer zu wählen. In Top-Tarifen können die Risikozuschläge tendenziell höher als in Einsteigertarifen ausfallen - es muss aber nicht sein.
  2. In Einzelfällen kann das Votum der Risikoprüfer der Versicherung auch ein LEISTUNGSAUSSCHLUSS sein. D.h. wenn man schon mit 4 Wurzelbehandelten Zähnen sich versichern lassen möchte, dann kann es sein, dass der Versicherer zum Normalbeitrag den Antrag annimmt, aber die laufende oder bevorstehende Zahnbehandlung oder vergleichbares ausnimmt. Was nicht möglich ist, z.b: bei Rückenbeschwerden (häufiger Ablehnungsdiagnose) ist, der Leistungsausschluss "Rücken" - das würde dem Prinzip der Krankenversicherungspflicht natürlich widersprechen.
  3. Bei bestimmten Diagnosen (z.B. manche Schilddrüsenerkrankungen, Psychische Beschwerden, Schwerer Erkrankungen im Bewegungsapparat, Krebs, etc.) - lautet das Votum ABLEHNUNG des Krankenversicherungsantrages - es ist keine Versicherung möglich.

 

Fazit: Wenn die eigene G-Akte (Gesundheitsakte) nicht mehr nur aus leeren, weißen Blättern besteht

ist folgendes Vorgehen dringend zu empfehlen:

  1. Nicht warten! Möglichst früh und möglichst gesund den Antrag stellen
  2. Keinen Versicherungsantrag  stellen, sondern eine sogenannten RISIKOVORANFRAGE zusammen mit einem Versicherungsmakler stellen.  Basierend auf dem Votum der Versicherungsunternehmen, und der Höhe der Risikozuschläge kann sich die eigene Präferenz deutich verschieben. Ein Nachteil eines Versicherungsantrages ist es zum einen, dass die Gesundheitsangaben personenbezogen und über einen längeren Zeitraum beim Versicherer gespeichert werden.
  3. Tarife vergleichen! Basierend auf den Ergebnissen der Risikovoranfrage die Beiträge inkl. Zuschläge der verbliebenen Möglichkeiten mit Leistungen der jeweiligen Tarife vergleichen. Lassen Sie sich von Experten dabei beraten!
  4. Wählen Sie möglichst leistungsstarke Versicherungstarife, wenn Ihre Gesundheit bereits heute nicht mehr taufrisch ist, dann ist seltener  von einer Verbesserung in der Zukunft auszugehen, d.h. mit einer hohen Wahrscheinlichkeit haben Sie keine zweite Chance, später nochmal upzugraden.

 

Wichtige Hinweise

  • Viele Offiziere und -anwärter kommen selbst in jungen Jahren schon mit Vorerkrankungen bzw. Beschwerden auf die Krankenversicherer zu. Ob der Versicherungsantrag dann angenommen wird, lässt sich pauschal nie sagen. Was sich sagen lässt: die Versicherungen haben höchst unterschiedliche Ansichten über die Versicherbarkeit von biometrischen Risiken.
  • Chance für Offiziere und -anwärter: bestimmte Vorerkrankungen sind bei Versicherer A leichter zu versichern, andere wiederum bei Versicherer B. Mittels Risikovoranfrage finden Sie heraus - wo Sie gut aufgehoben sind.


 

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