Welche Besonderheiten sind bei einer BU-Versicherung zu beachten?

Welche Besonderheiten sind bei einer BU-Versicherung zu beachten?

Geschrieben am 06.08.2019
von Dipl.-Kfm. Martin W. Kopf - zertifizierter Finanzplaner und Experte in Soldatenfragen mit langjähriger Berufserfahrung


Das Thema "Einkommen auch ohne Arbeitskraft" umfasst sinnbildlich zwei Halbzeiten: das geplante Erwerbsleben und den Ruhestand. Wenn Sie Zahlungen nur in einer Halbzeit bekommen, geht das für Sie nicht gut aus!

  • Einerseits ist die erste Halbzeit, das Erwerbsleben, abzusichern. Denken Sie unbedingt daran, dass Sie vielleicht in der ersten Halbzeit "Ihr Spiel umstellen" und die Bundeswehr verlassen. Also sollte Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung für beide Spielarten wirklich geeignet sein. Eine DU-Klausel ist regelmäßig nachteilig für die Zeit nach DZE (mehr dazu siehe hier).
  • Daneben hilft es nichts, eine gute erste Halbzeit zu spielen und dann in der zweiten (im Ruhestand) zu verlieren. Das bedeutet, auch wenn in der ersten Halbzeit eine BU eintritt, muss in der zweiten Halbzeit ein Minimum an Kaufkraft erhalten bleiben. Anders als in früheren Zeiten sind Menschen heute  in ihrer zweiten Lebenshälfte meist voller Vitalität und Lebensfreude und wollen den gewohnten Lebensstil beibehalten. Gerade bei Akademikern dauert die zweite Halbzeit übrigens ähnlich lange wie die erste Halbzeit, was noch vor 2-3 Generationen völlig anders war! Einige Ratgeber propagieren den Grundsatz 'Kombiniere niemals Absicherung und Sparen!'. Das ist aber nur teilweise richtig. Um die zweite Halbzeit abzusichern, muss gegen diesen Grundsatz verstoßen werden. Es sollte also eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung innerhalb einer Rentenversicherung abgeschlossen werden, um das zu bewerkstelligen, gibt es mehrere Varianten (mehr dazu lesen Sie unter Punkt 9).

Flexibilität ist wichtig!

  • Sie schließen heute (hoffentlich als junger gesunder Mensch) eine Versicherung ab, ohne natürlich Ihren Bedarf der Zukunft zu kennen. Daher muss Ihnen Ihr BU-Vertrag maximale Flexibilität bieten, um mit Ihren später steigenden Anforderungen mitzuwachsen (z.B. höhere BU-Rente).
  • Manche Versicherer bieten die Möglichkeit, dass der Beitrag geringer wird, sobald das berufliche Risiko (z.B. mit Verlassen der Bundeswehr) sinkt. Bei Risikoerhöhung bleibt der Beitrag hingegen wie er ist. Andere Versicherer bieten derartige Flexibilitäten nicht.
  • Wie hier beschrieben ist das größte Problem bei einer späteren Erhöhung die Tatsache, dass eine Risikoprüfung im fortgeschrittenen Alter nicht ohne weiteres erfolgreich bestanden wird.
    Daher sollte der Vertrag möglichst viel Flexibilitäten bieten:
    1. Dynamik. Darunter versteht man die vertragliche Vereinbarung zwischen Versicherung und Versicherungsnehmer,  dass jährlich  der Beitrag und die Leistung (also auch die BU-Rente) um einen festgelegten Prozentsatz (am besten 10% p.a.) erhöht werden. Die Erhöhung ist freiwillig, erfolgt ohne Risikoprüfung und gilt grundsätzlich unbefristet. Sofern aber bestimmte Grenzen überschritten werden (z.B. darf die BU-Rente nur einen bestimmten Prozentsatz des Bruttoeinkommens ausmachen), oder der Versicherungsnehmer zu oft die Dynamik abgelehnt hat, endet diese. Manche Versicherer kündigen die Dynamik von sich aus, wenn man nicht jedes dritte Jahr der Erhöhung zustimmt. Besonders kundenfreundliche Versicherer bieten hingegen ein zeitlich unbegrenztes Recht auf Ablehnung der Dynamik an und bieten somit deutlich mehr Flexibilität.
    2. Ausbaugarantie ohne Ereignis. Manche Versicherer erlauben ohne Grund innerhalb gewisser Grenzen hinsichtlich BU-Rentenerhöhung und Alter des Versicherten eine Erhöhung der BU-Rente ohne Risikoprüfung.
    3. Nachversicherungsgarantie mit Ereignis: wie Ausbaugarantie, nur dass hierfür zusätzlich Ereignisse wie Heirat, Geburt eines Kindes, Selbstständigkeit, etc.  dem Versicherer angezeigt werden müssen, damit man ohne Risikoprüfung die Leistung erhöhen kann.

Qualität ist wichtig - wenn schon Sicherheit, dann richtig!

  • Qualität hat sicher ihren Preis, aber wenn Sie möglichst viel Geld sparen wollten, würden Sie sich ja nicht billig, sondern überhaupt nicht versichern. Hier geht es umgekehrt darum, dass Sie im Fall der Fälle auch wirklich Geld bekommen und dass die Versicherung also ihr Geld wert war. Sparfüchse ärgern sich hierbei regelmäßig, weil Versicherungen Meister darin sind, sich so auszudrücken, dass Juristen ihnen später rechtgeben,  der Sparfuchs es aber vorher nicht verstanden hatte. Die Hintertüren sind fachmännisch im Kleingedruckten (den Versicherungsbedingungen) hinterlegt und selbst für Experten häufig erst bei mehrmaligem Lesen ersichtlich. Lösung: Lassen Sie sich beraten und wählen Sie nur Versicherungen mit besonders versichertenfreundlichen Bedingungen. Einen Anhalt bieten externe Ratings von unabhängigen Prüfinstituten wie z.B. Franke und Bornberg oder Morgen&Morgen.
  • Gerade ältere Verträge beinhalten eine sog. abstrakte Verweisung, d.h. der Versicherer kann die Zahlung der BU-Rente mit dem Hinweis ablehen, dass Sie ja einen anderen Beruf ausüben könnten. Ihr Vertrag sollte keinesfalls eine solche Klausel beinhalten, damit Sie selbst Modus und Tempo Ihrer Rückkehr ins Erwerbsleben bestimmen können.
  • Viele weitere Kritierien können für Offiziere* und OA eine Rolle spielen, z.B. eine 'Infektionsklausel' für alle SanOA und SanOffz.
  • Mit einer BU-Rente von 1.000 Euro (heutige Kaufkraft) kann man in 20 Jahren sicherlich nicht mehr so viel bezahlen wie heute. Bezieht man die Inflation von  1% (2%) jährlich in die Überlegungen ein, so stellen Sie fest, dass Sie mit einer 1000 Euro BU-Rente in 20 Jahren nur noch so viel bezahlen können wie heute mit 830 Euro (628 Euro). Daher ist die Vereinbarung einer garantierten Rentensteigerung sehr überlegenswert.
  • Sichern Sie heute die maximal mögliche Versicherungsdauer ab! Sie können später immer noch den Vertrag kündigen oder reduzieren, hingegen ist eine Verlängerung aufgrund der Risikoprüfung höchst unwahrscheinlich. Es ist ohnehin stark anzunehmen, dass wir in den nächsten 20-40 Jahren erneut einen deutlichen Anstieg des Renteneintrittsalters erleben werden; daher sollte die Lücke zwischen dem Vertragsende Ihrer BU-Rente und dem (künftigen) Beginn der Altersrente so gering wie möglich sein.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis sollten Sie natürlich auch im Blick behalten!

  • Bei BU-Versicherungen erleben Sie häufig 100% Beitragsunterschiede und mehr für (scheinbar?) gleiche Leistungen. Besonders wenn Vorerkrankungen bewertet werden, sind diese Unterschiede drastisch. Gesellschaft A  verlangt keinen Aufpreis, Gesellschaft B aber bspw. 50% Risikozuschlag.
  • BU-Versicherungen sind je nach Beruf mal Vorreiter, mal Nachzügler. Man kann nie sagen, dass Gesellschaft A immer günstiger als Gesellschaft B sei - es kommt immer auf den Beruf an.
  • Online-Vergleichsportale bieten nur scheinbare Transparenz, da die Berufsauswahl äußerst speziell und zwischen den Versicherern nicht einheitlich ist. Für Soldaten gelten Sondereinstufungen, einige Versicherungen bieten überhaupt keinen Schutz für Soldaten an!

Machen Sie alle Angaben ehrlich und nach bestem Wissen und Gewissen!

  • Manche Vermittler - sei es aus Unwissenheit oder aus skrupelloser Berechnung -  manipulieren Offz/OA, bestimmte Dinge einfach nicht anzugeben, um den Versicherungsabschluss zu erleichtern. Lassen Sie sich niemals auf solche Spiele ein! Stellen Sie sicher, dass Sie nur Anträge unterschreiben, in denen alles korrekt angegeben wurde, und überlassen Sie das Ausfüllen der risikorelevanten Fragen nie dem Vermittler alleine. Schaffen Sie im Zweifelsfall lieber mit einer unverbindlichen Risikovoranfrage Klarheit über Ihre Möglichkeit, einen Versicherungsschutz zu erhalten, bevor aufgrund Ihrer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht dieser Schutz auf dem Spiel steht.
  • Auch wenn Sie an einer öffentlichen Uni Medizin oder Pharmazie studieren: Sie müssen angeben, dass Sie Zeitsoldat sind, sonst haben Sie keinen Versicherungsschutz. Gleiches gilt für Studenten an der UniBw - "BWL Student" im Antrag reicht nicht aus, es muss zwingend der Zusatz "Zeitsoldat der Bundeswehr" aufgeführt werden.

 


*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form einheitlich für alle Geschlechter.

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