Ich habe Vorerkrankungen - habe ich noch Chancen auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ich habe Vorerkrankungen - habe ich noch Chancen auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Geschrieben am 06.08.2019
von Dipl.-Kfm. Martin W. Kopf - zertifizierter Finanzplaner und Experte in Soldatenfragen mit langjähriger Berufserfahrung


Um das einzuordnen,  müssen wir kurz beschreiben:

Wie läuft eine Risikoprüfung bei einer BU-Versicherung ab?

  • Basierend auf einem konkreten Versicherungsnivau (Eintrittsalter, Gesundheitszustand, BU-Rentenhöhe, Versicherungsdauer, Qualität der BU-Bedingungen, etc. ) prüft ein Versicherer die im Antrag aufgeführten Diagnosen und vergleicht diese mit dem kalkulierten Risiko im Standardfall einer "100%ig gesunden versicherten Person zu Antragsbeginn".  Auf dieser Basis wird festgestellt, ob eine Antrag normal angenommen werden kann, oder etwa ein Beitragszuschlag (sog. Risikozuschlag) verlangt werden muss, um das Risiko zu zeichnen. Maßgeblich und von besonderem Interesse der Versicherer bei der Prüfung sind insbesondere
    • Stationäre Erkrankungen / Beschwerden - weil diese in der Regel auf schwerwiegendere Probleme hindeuten,  fragen Versicherer in der Regel weit in die Vergangenheit zurück, z.B. 10 Jahre.
    • Psychische Erkrankungen / Beschwerden - sind von besonderer Bedeutung und werden teilweise ebenfalls lange in die Vergangenheit abgefragt.
    • Bestehende Beschwerden / Behandlungen die erst vor kurzem abgeschlossen wurden, und daher vermutlich noch nicht ausgeheilt sind.
  • Achtung! Innerhalb der Rückfragezeiträume müssen Sie nach bestem Wissen und Gewissen wahrheitsgemäße Angaben machen! Falls Sie durch fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten sich eine Versicherung erschleichen, kann dies je nach Schwere des Vergehens drastische Konsequenzen haben, von Nachzahlen von Risikobeiträgen bis hin zur Verweigerung von Versicherungsleistungen des Versicherers.
  • Fallen vergangene Beschwerden / Diagnosen nicht mehr in diese o.a. Rückfragezeiträume hinein und bestehen gegenwärtig dazu keine Beschwerden mehr, so müssen im Versicherungsantrag diebezüglich keine Angaben gemacht werden. Ausnahmen sind explizit genannte, dauerhafte Beeinträchtigungen, wie z.B. Amputationen, Prothesen, etc.
  • Chance für Offiziere und -anwärter: bestimmte Vorerkrankungen sind bei Versicherer A leichter zu versichern, andere Vorerkrankungen wiederum bei Versicherer B. Es lohnt ein Vergleich!

 

Wie gehen Versicherungen mit erhöhten BU-Risiken um?

Möglichkeit 1: Normalannahme

  • Wenn es nur um wenige geringfügige Erkrankungen geht und die Standard-Kalkulation funktioniert, kann eine Normalannahme erfolgen, d.h. der reguläre Beitrag wird fällig.
  • Beispiel: leichter saisonaler Heuschnupfen ohne Asthma und ohne Dauermedikation 

Möglichkeit 2: Risikozuschlag

  • Wenn aber mehrere geringfügige Beschwerden zusammenkommen, z.B. leichter Heuschnupfen zusammen mit einer leichten Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) und leichte Verdauungsprobleme in der Grundausbildung (soll es geben ;-) dann kann das bereits der Grund sein, warum die Kalkulation eben nicht mehr ohne Mehrbeitrag funktioniert und das Ergebnis ist ein Risikozuschlag. Teilweise können bei BU-Versicherungen diese Risikozuschläge später auf Antrag wieder herausgenommen werden, sofern die Beschwerden folgenlos abgeklungen sind. Achtung! Mit gesundem Menschenverstand hat die Entscheidung der Versicherer nichts zu tun, sondern mit Versicherungsmathematik! Insofern sind Mutmaßungen und Diskussionen hier fehl am Platz, die einzige Möglichkeit ist, einen anderen Versicherer zu wählen.

Möglichkeit 3: Leistungsausschluss

  • In Einzelfällen kann die Entscheidung der Risikoprüfer der Versicherung statt eines Risikozuschlages auch ein Leistungsausschluss sein.
  • Beispiel: Ein Versicherter, der vor Beantragung bereits eine Bandscheibenvorwölbung diagnostiziert bekommen hatte, erhält eine Versicherung nur mit einem Ausschluss "Wirbelsäule".  Im Leistungsfall wird dann eine BU, die aufgrund von Verletzungen bzw. Erkrankungen der Wirbelsäule ausging, nicht zur Zahlung der BU-Rente führen. Eine BU, die aufgrund anderer Ursachen z.B. wegen psychischer Beschwerden oder Krebs eintritt, würde hingegen ganz regulär zur vereinbarten BU-Leistung führen.

Möglichkeit 4: Ablehnung des Antrages

  • Bei bestimmten schwerwiegenden Diagnosen (z.B. manche Schilddrüsenerkrankungen, psychische Beschwerden, schwere Erkrankungen des Bewegungsapparates, Krebs, etc.) - lautet das Votum Ablehnung des BU-Antrages - es wird kein Versicherungsschutz gewährt!
  • Möglicherweise sieht das aber ein anderer Versicherer anders!

 

Einmalige Gelegenheiten: BU-Aktionen bestimmter Versicherungsunternehmen

Manche Versicherungsunternehmen bieten von Zeit zu Zeit für eine befristete Dauer BU-Aktionen an. Dort wird es bestimmten Zielgruppen - meist Medizinern oder Akademikern ermöglicht, mit verkürzten Risikofragen einen Antrag für eine BU-Versicherung zu stellen. Das bedeutet, es werden nicht alle Aspekte der regulären Gesundheitsprüfung abgefragt, sondern nur bestimmte, oder es wird statt regulär 5 Jahre nur 3 Jahre in die Vergangenheit gefragt. Natürlich sind bei solchen Lösungen die versicherbaren BU-Renten  und auch die Ausbaumöglichkeiten begrenzt. Bevor Sie aber überhaupt keine BU-Versicherung bekommen, kann dies ein äußerst sinnvoller Plan B sein.

Ergebnis: Sie können trotz dokumentierter Vorerkrankung  eine Absicherung bekommen, ohne dabei vorvertraglichen Anzeigepflichten zu verletzen und laufen auch nicht Gefahr, durch weiteres Warten neue Erkrankungen diagnostiziert zu bekommen.

Fazit: Fragen Sie Ihre Berater nach solchen Aktionen, oder zum Beispiel unseren Partner die MLP Soldatenberatung.


 

Fazit

Wenn die eigene G-Akte (Gesundheitsakte) nicht mehr nur aus leeren weißen Blättern besteht, ist folgendes Vorgehen dringend zu empfehlen:

  1. Warten Sie auf keinen Fall länger!  Sie sollten möglichst früh und möglichst gesund den Antrag stellen. Bevor Sie die nächsten 5 Jahre weiter warten, dass Ihre Gesundheit besser wird, schließen Sie lieber erst einmal eine suboptimale Versicherung ab und schauen dann später, ob sich die Absicherung in den nächsten Jahren noch verbessern lässt. Denn erfahrungsgemäß lässt die nächste Diagnose nicht lange auf sich warten und macht eine Absicherung nur problematischer. Also: besser eine suboptimale Absicherung, als garkeine!
  2. Stellen Sie keinen Versicherungsantrag, sondern eine Risikovoranfrage. Der Nachteil eines Versicherungsantrages ist zum einen, dass die Gesundheitsangaben personenbezogen und längerfristig gespeichert werden, zum anderen müssen Sie bereits abgelehnte Anträge bei einem anderen Versicherer meist anzeigen!
  3. Vergleichen Sie - basierend auf den Ergebnissen der Risikovoranfrage -  die aktualisierten Beiträge (inkl. Risikozuschläge?) bzw. Leistungsausschlüsse aus allen verbliebenen Möglichkeiten mit den Leistungen der jeweiligen Tarife. Lassen Sie sich dabei von Experten beraten und fragen Sie nach BU-Aktionen!
  4. Wählen Sie von Beginn an möglichst leistungsstarke Versicherungen, denn wenn Ihre Gesundheit bereits heute nicht mehr taufrisch ist, dann ist selten von einer Verbesserung in der Zukunft auszugehen, d.h. mit hoher Wahrscheinlichkeit haben Sie keine zweite Chance, später nochmal "upzugraden".


 

Kontakt mit Experten

können Sie hier aufnehmen.

Unterstützung erhalten Sie bei diesem Thema von unserem Kooperationspartner MLP Soldatenberatung.

 


 


*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form einheitlich für alle Geschlechter.

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