Warum sollte ich mich überhaupt und das als möglichst junger Soldat* mit dem Thema Berufsunfähigkeit beschäftigen?

Warum sollte ich mich überhaupt und das als möglichst junger Soldat* mit dem Thema Berufsunfähigkeit beschäftigen?

Geschrieben am 06.08.2019
von Dipl.-Kfm. Martin W. Kopf - zertifizierter Finanzplaner und Experte in Soldatenfragen mit langjähriger Berufserfahrung


Was gibt es Wichtigeres, als unter allen Umständen die eigene Selbstbestimmtheit zu erhalten?

Eigentlich ist es ganz einfach und selbstverständlich: auch wenn Sie eines Tages nicht mehr gesundheitlich in der Lage sein sollten in Ihrem Beruf zu arbeiten, so endet nicht etwa das Leben. Genausowenig verschwinden mit diesem Ereignis plötzlich alle menschlichen Bedürfnisse (Dach über dem Kopf, Essen, Partnerschaft, Freizeitgestaltung bzw. Teilhabe am öffentlichen Leben im eigenen sozialen Umfeld, etc.) wie von Zauberhand. Wenn junge, gesunde Menschen über derartige Notlagen nachdenken, verfallen sie irrigerweise genau dieser Utopie. Das ist ein Trugschluss. Es geht also bei dem Thema "Einkommen auch ohne Arbeitskraft" schlichtweg darum, dafür zu sorgen, dass alle Rechnungen z.B. für Miete, Einkaufen und die eigene Krankenversicherung weiter selbstständig bezahlt werden können. Somit wird ein Mindestmaß an Lebensqualität auch dann erhalten, wenn der Arbeitgeber nicht mehr zahlt. Andersfalls belastet das eigene Versäumnis die eigenen Eltern oder später die Kinder, die eigentlich anderes im Sinne hätten, als über 1000 Euro monatlich für denjenigen zu zahlen, der sich nicht rechtzeitig gekümmert hat.


 

Wir haben kein "natürliches" Risikoempfinden in Hinblick auf den Verlust der eigenen Arbeitskraft und bewerten das Risiko damit völlig verzerrt

  • Gesunde Menschen beschäftigen sich i.d.R.  nicht mit ihrer Gesundheit und können sich in der eigenen Vorstellung schlecht in die Situation versetzen, dass es einmal nicht mehr so sein könnte, und wie man als schwer beeinträchtigter Mensch den Alltag bewältigen muss.
  • Machen wir uns eines klar: nahezu 100% der Menschen werden im Laufe des Lebens berufsunfähig - unklar ist nur das Alter und ob das vor oder erst im Ruhestand passiert!
  • Anders als brennende Häuser oder verunfallte Autos, werden Schadensfälle von Menschen, die ihre Arbeitskraft verloren haben und nun existenzielle Nöte erleben, in der Öffentlichkeit überhaupt nicht wahrgenommen und daher besteht ein total verzerrtes Bild über das tatsächliche Risiko, selbst dieses Schicksal zu erleiden. 99% aller  Hausbesitzer verfügen über eine Wohngebäudeversicherung (die einen Vermögenswert von einigen hundertausend Euro abdeckt). Nur etwas mehr als 50% der Berufstätigen hat hingegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung (obwohl die eigene Arbeitskraft einen Wert von weit über 1 Mio Euro darstellt). Während aber die Schäden nach einem Autounfall bzw. nach einem Sturmschaden an der Immoblie durchaus ein gängiges Stammtisch-Thema darstellen, würde wohl niemand in großer Runde über gesundheitliche Probleme, die damit verbundenen psychischen Beschwerden (Scham!) und  daraus resultierenden wirtschaftlichen Probleme sprechen. Das Thema ist also faktisch in der Öffentlichkeit nicht existent - allenfalls als Schlagzeile irgendwo in der Zeitung.
  • Erkrankte Menschen hingegen wissen genau um den Wert der Gesundheit und den schmalen Grat zwischen der leistungsfähigen eigenen Arbeitskraft und dem Verlust derselben. Leider gibt es für sie aber dann keine Möglichkeit mehr, dieses Risiko zu versichern.
  • Versicherungsvermittlern, die auf dieses Risiko hinweisen, wird mit Misstrauen begegnet, weil sie letztendlich mit dem Vermitteln der Versicherung ihr Geld verdienen.

 

Der Verlust der Arbeitskraft ist ein existenzielles, biometrisches Risiko, welches  Soldaten besonders stark betrifft

  • Der Verlust der Arbeitskraft durch Unfälle oder Erkrankungen ist ein biometrisches, d.h. mit dem Lebensalter und der körperlichen und geistigen Gesundheit verbundenes  Risiko. Warum generell biometrische Risiken als junger Mensch abzusichern sind, lesen Sie hier.
  • Soldaten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, körperlich oder geistig verletzt zu werden. Das zeigt sich häufig bereits in der Grundausbildung: junge OAs sind regelmäßig nicht an die körperlichen Herausforderungen gewöhnt und zeigen schnell die typischen Verletzungserscheinungen wie Bänderreizungen und Rückenbeschwerden. Derartige Erkrankungen führen zu ärztlich dokumentierten Behandlungen bzw. Beschwerden, die im Rahmen einer Risikoprüfung zwingend dem Versicherer zur Kenntnis gebracht werden müssen.

 

 Time is money 

  • Die Zeitspanne, innerhalb der sich Offz/OA überhaupt versichern können, liegt im Durchschnitt zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr. In Einzelfällen ist sie aber bereits deutlich früher beendet. Ein BU-Versicherer prüft folgende Aspekte:
  • Gesundheitszustand, d.h. aktuellen Krankheiten bzw. Vorerkrankungen. Viele Kleinigkeiten führen schon dazu, dass eine Versicherung entweder nur mit teuren Risikozuschlägen oder später überhaupt nicht mehr möglich ist. Stellen Sie sich den Sachverhalt bei einer Risikoprüfung als Zählwerk vor. Bei einem Ergebnis bis 5 Punkte bekommen Sie ohne Beitragszuschlag die gewünschte Versicherung, zwischen 6 und 8 Punkten bekommen Sie die Versicherung aber nur gegen einen zusätzlichen Risikobeitrag und ab 10 Punkte erfolgt die Ablehnung Ihres Antrags. Beispiel:
    • Heuschnupfen ohne  Dauermedikation: 1 Punkt
    • Heuschnupfen mit asthmatischen Beschwerden: 7 Punkte.
    • Regelmäßige Rückenschmerzen: 3 Punkte,
    • Rückenschmerzen mit Bandscheibenproblemen: 6 Punkte
    • Ein Gespräch mit einem Psychologien wegen Prüfungsstress: 10 Punkte

Sie sehen:  eine einzige schwerwiegende oder mehrere unbedeutende Diagnosen können bereits Ihre Bemühungen nach einer adäquaten und kostengünstigen Versicherung zunichte machen.

  • Alter
  • ausgeübter Beruf
    • Versicherungsunternehmen haben "Berufskataloge", die das spezielle Risiko der Tätigkeiten berücksichtigen. Wenige Versicherer sind überhaupt dazu bereit, Soldaten zu versichern,  und wenn, dann allenfalls mit starken Risikozuschlägen (sog. höhere Berufsgruppen),  mit verkürzter Versicherungsdauer und eben nicht bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren.
    • Studenten der Bundeswehr werden dabei besser eingestuft als "normale" Soldaten und zahlen damit geringere Beiträge. Mit Ende des Studiums endet dieser Vorteil und es wird bei Versicherungsabschluss ein deutlicher Mehrbeitrag fällig.
    • OA, die für die Pilotenausbildung eingeplant werden, haben bei manchen Versicherern während des Studiums die einmalige Möglichkeit sich gegen BU zu versichern, nach Studienende / Beginn der fliegerischen Ausbildung steht einzig der 'Rahmenvertrag der Bundeswehr' mit schlechteren Konditionen zur Verfügung.
  • Freizeitrisiken: manche OA beginnen während des Studiums risikoreiche Hobbys (Kampfsportarten, Gleitschirm- oder Segelfliegen, Tauchen). Diese verteuern die BU-Versicherung teilweise drastisch. Bei guten Versicherungstarifen muss man sog. Gefahrerhöhungen nach Vertragsabschluss nicht mehr anzeigen, d.h. wenn man bereits einen BU-Vertrag hat und erst danach mit dem Tauchen anfängt, stellt das keinen Vertragsbruch dar und man spart über die Jahre einige tausende Euro!

 

 


*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form einheitlich für alle Geschlechter.

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