Warum es nicht klug ist, zu warten: Grundsätze bei der Absicherung biometrischer Risiken bei Offizieren und Offizieranwärtern

Warum es nicht klug ist, zu warten: Grundsätze bei der Absicherung biometrischer Risiken bei Offizieren und Offizieranwärtern

Geschrieben am 13.07.2019
von Dipl.-Kfm. Martin W. Kopf - zertifizierter Finanzplaner und Experte in Soldatenfragen mit langjähriger Berufserfahrung.


Immer wieder kommen Offz/OA zu der scheinbar logischen Schlussfolgerung:

 

"Naja, ich bin jung und gesund, da muss ich mich doch noch nicht versichern. Was soll mir schon passieren? Da warte ich (noch) lieber."

 

Ein fataler Trugschluss.

Natürlich ist die wahrgenommene Bedeutung  einer solchen Absicherung im Zeitverlauf des Lebens höchst unterschiedlich. Ein junger OA, der gerade das wohlbehütete Elternhaus verlassen hat, hat natürlich dazu einen anderen Bezug als ein Offizier, der Alleinverdiener(in) und verantwortlich für Ehegatte, zwei Kinder und Hausfinanzierung ist. Aber neben der Wahrnehmung und Intuition gibt es rein sachliche, rationale Gründe, weshalb manche biometrische* Risiken (z.B. Verlust der Gesundheit und Verlust der Arbeitskraft), zwingend von jedem abzusichern sind: ein hohes statistisches Risiko und daneben existenziell bedrohliche Schadenshöhen. Daher sprechen sich unisono alle Verbraucherzentralen deutschlandweit für die Absicherung derartiger Risiken aus.

In diesen Bereich fallen private Kranken(zusatz)versicherungen, Pflegeversicherung, Krankentagegeldversicherung, Berufs- bzw. Dienstunfähigkeitsversicherung. Je nach Situation gibt es weitere biometrische Risiken, die in einer späteren Lebensphase erst relevant werden, wie zum Beispiel eine Hinterbliebenenabsicherung (z.B. Risikolebensversicherung).


 

Es ist nicht klug, zu warten

Wie sichert eine Versicherung biometrische Risiken ab?

Vereinfacht macht eine Versicherung Folgendes: Während man das Risiko einer einzelnen Person nicht berechnen kann (das Eintrittsrisiko ist 0% oder 100%), so ist dies aufgrund statistischer Methoden bei Personengruppen ohne weiteres machbar. Die Versicherung kann nun das, das ist ihre Aufgabe, das unbekannte Risiko des Einzelnen über ein Versicherungskollektiv ausgleichen. Vereinfacht berechnet sie die durchschnittliche Eintrittswahrscheinlichkeit und die durchschnittliche Schadenshöhe, und hat den Kapitalwert, der pro Versichertem vorgehalten werden muss. Nun kommen noch zwei ganz wesentliche "Spieler" mit dazu: die Zeit und die Rendite der Rücklagen der Versicherung. Die monatlichen Versicherungsbeiträge  sind die abgezinsten Raten, die den Kapitalwert ergeben. D.h. je höher die Rendite und je länger die Zeit, desto kleiner kann der Beitrag sein. Natürlich werden auf die kalkulatorischen Beiträge noch Risiko(sicherheits)zuschläge, Verwaltungskosten und die Gewinnmarge hinzugerechnet und daraus ergibt sich schlussendlich der Zahlbeitrag der Versicherung pro versicherter Person.

Fazit

Aus diesem Wirkprinzip einer Versicherung lassen sich folgende grundsätzliche Aussagen ableiten:

  • je jünger man ist, desto günstiger kann man sich versichern. Warum?
    • bei jüngeren Personen kann der Zinseszinseffekt länger greifen
    • es gibt einen klaren wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und zunehmenden Vorerkrankungen; weniger Vorerkrankungen bedeuten weniger Risiko(beitrags)zuschläge
  • je gesünder, desto günstiger kann man sich versichern, weil die Schadenseintrittswahrscheinlichkeit natürlich geringer ist.
  • je mehr Vorerkrankungen, desto teurer wird die Versicherung, weil die Schadenseintrittswahrscheinlichkeit höher wird
    Im Extremfall kann sogar überhaupt keine Versicherung abgeschlossen werden!

Extrem wichtiger Hinweis: Unter bestimmten Voraussetzungen und innerhalb äußerst kurzer Fristen besteht bei privaten Krankenversicherungsunternehmen ein gesetzlicher Kontrahierungszwang für Angehörige von Soldaten. Diese stellt jedoch aus Sicht des Versicherten nie die Optimallösung dar und sollte nur im absoluten Notfall als Alternative zum gesetzlichen System geprüft werden. Lassen Sie sich dazu von Experten beraten.


 

Sparen statt Versicherung bezahlen - ist keine Option

 

"Also bevor ich einer Versicherung Tausende von Euros in den Rachen schmeiße, spare ich lieber für mich - das ist klüger."

 

Diese häufige geäußerte intuitive Idee mancher Offz/OA kann in der Realität nicht bestehen. Warum das so ist, wird schnell klar, wenn man sich die o.a. Variablen vergegenwärtigt:

Problem 1: ich kenne die Variablen meines individuellen biometrischen (gesundheitlichen) Risikos nicht

  • Zeitpunkt des Schadens
  • Zeitdauer
  • Schadenshöhe

Folglich lässt sich die Höhe der erforderlichen Rückstellung für den BU-Fall nicht berechnen und nicht bilden.

Gingen wir davon aus, ein Offizier / OA umgeht diese Unsicherheit, dadurch dass er "ausreichend" Rückstellungen dafür bilden will, dann führt uns das zu

 

Problem 2: Die Schadenshöhe kann in die Millionen gehen

Selbst wenn "Grübler" das Problem 1, also eine Berechnung der erforderlichen Rückstellungen dadurch umgehen, indem sie einfach einen beliebigen Betrag schätzen, so verkennen sie regelmäßig, dass es schnell um Millionenbeträge gehen kann.

Beispiel 1:
Offizieranwärter: 1.500 Euro monatliche (unverzichtbare) Ausgaben summieren sich auf

1,3 Mio Euro Schaden

Berechnungsgrundlage: Berufsunfähigkeit nach Verletzung in Grundausbildung bis Renteneintritt (45 Jahre), Inflation 2%

 

Beispiel 2:
Arzt der Bundeswehr: 3.500 Euro monatliche (unverzichtbare) Ausgaben summieren sich auf

2,1 Mio Euro Schaden

Berechnungsgrundlage: Berufsunfähigkeit nach privatem, psychischem Trauma, 2 Jahre nach Approbation bis Renteneintritt (35 Jahre), Inflation 2%

Bei diesen Schadenshöhen wird klar:

  • 99,99% der Offz/OA besitzen weder derartige Rücklagen, noch werden sie diese jemals bilden können. Auch das Argument, dass die Eltern im Notfall einspringen, erodiert damit.
  • Selbst emsigste Sparbemühungen sind umsonst, denn bei monatlich 1000 Euro stehen nach 5 Jahren gerade mal 70.000-80.000 Euro von der benötigten Million Euro bereit...

 

Problem 3:  Selbst Millionäre verlieren mehr Geld durch das Bilden von Rücklagen für biometrische Risiken, als durch das Zahlen von Versicherungsbeiträgen.

Eigentlich sollte bereits nach Problem 1 und Problem 2 klar sein, dass sich biometrische Risiken nur durch Versicherungskollektive lösen lassen. Aber der Vollständigkeit halber erklären wir die Thematik zuende:

Selbst wenn man zu den 0,001% der Glücklichen zählt, die bereits als junger Mensch ein Millionenvermögen haben, müsste man in Ermangelung der Kenntnis über den Zeitpunkt des Schadens, die erforderliche Rücklage im absolut liquiden und risikolosen Bereich anlegen. Aktuell liegt die Rendite (nach Kosten, nach Steuer, nach Inflation) im deutlich negativen Bereich (<2%) und das bedeutet, man "verbrennt" auf diese Weise stetig  sein Vermögen.

Ein Gedankenspiel: ein OA hat bereits geerbt bzw. die Eltern bilden tatsächlich Rückstellungen für den BU-Fall des Kindes in Höhe von 1,2 Mio Euro, um 1.500 Euro monatliche Liquidität für den OA für 45 Jahre sicherzustellen; diese  zu 0% Zins/Rendite anlegen (wie erwähnt, ergeben sich bereits bei solchen Beträgen häufig negative Renditen!), dann führt dieses Verhalten bei einer Inflation von 2 % zu einem Verlust nach

  • 5 Jahren: 114.000 Euro = 9,5%
  • 10 Jahren: 217.000 Euro = 18,1%
  • 20 Jahren: 396.000 Euro = 33%
  • 30 Jahren: 542.000 Euro = 45%

Diesen drastischen Kaufkraftverlusten stehen Versicherungsbeiträge über die gesamte Vertragsdauer von ca. 32.000 Euro gegenüber. Das bedeutet, der Millionär hätte im zweiten Jahr bereits über die Inflation bei seiner Rückstellung mehr Geld verloren, als er über das gesamte Vertragsdauer Versicherungsbeträge zahlt. Daher versichern sich auch Millionäre, um ihr Vermögen zu schützen... ;-)


 

Relevante biometrische Risiken können nur mittels Kollektiv / Versicherung abgedeckt werden: je früher, desto besser.

Kluge Offz/OA sichern sich so ab, dass Ihre Absicherung für beide Karrieremodelle funktioniert: als Berufssoldat oder als "ziviler" Highflyer.



 

Kontakt mit Experten

können Sie hier aufnehmen.

Unterstützung erhalten Sie bei diesem Thema von unserem Kooperationspartner MLP Soldatenberatung.

 


 


* biometrisch bedeutet in diesem Zusammenhang: bei Lebewesen durch statistische bzw. medizinische Methoden messbar


 


Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form einheitlich für alle Geschlechter.

© copyright 2019 – Urheberrechtshinweis

Alle Inhalte dieses Internetangebots, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei informy OHG. Bitte fragen Sie uns, falls Sie die Inhalte dieses Internetangebotes verwenden möchten. Wer gegen das Urheberrecht verstößt (z.B. Bilder oder Texte unerlaubt kopiert), macht sich gem. §§ 106 ff UrhG strafbar, wird zudem kostenpflichtig abgemahnt und muss Schadensersatz leisten (§ 97 UrhG).