Überblick: Alles rund um das Thema Krankenversicherung und Pflegeversicherung für Soldaten* (insbes. Offiziere und Offizieranwärter)

Überblick: Alles rund um das Thema Krankenversicherung und Pflegeversicherung für Soldaten* (insbes. Offiziere und Offizieranwärter)

Geschrieben am 29.05.2019
von Dipl.-Kfm. Martin W. Kopf zertifizierter Finanzplaner und Experte in Soldatenfragen mit langjähriger Berufserfahrung.


Mag sein, dass Sie sich gerade wie Super(wo)man fühlen... doch was passiert, wenn Sie über einen längeren Zeitraum dringend anspruchsvolle medizinische Hilfe benötigen?

Mission: Gesundheit - worauf Sie als Offizier und Offizieranwärter* in Hinblick auf Krankenversicherung und Pflegeversicherung  achten müssen.

#Gesundheit #Krankenversicherung #Anwartschaft #Sanitätsoffiziere #Offiziere #San-OA #OA #GKV-VEG



Fallbeispiel Offizieranwärter

Fallbeispiel Zeitsoldat

Fallbeispiel Berufssoldat


 


Hm..., ich lese schon in meinem Studium genug - kann ich nicht einfach schnell prüfen, ob das überhaupt gerade ein "Thema" für mich ist?

Natürlich! Finden Sie in 2 Minuten heraus, ob mit Ihrer Absicherung tendenziell wohl eher alles passt, oder ob es dringenden Handlungsbedarf gibt - hier geht es zum  Quickcheck "Gesundheit" für (Sanitäts-)Offiziere und Offizieranwärter! Ansonsten schauen Sie sich unser Video an:

#schnellerklärt:Krankenversicherung für Offz/OA

- wird derzeit überarbeitet -



 

Vorbemerkung

Wow, das ist ne Menge Holz was ihr hier alles schreibt - muss ich das wirklich alles lesen?

Das liegt bei diesem Themenkomplex in der Natur der Sache, weil

  • es nicht nur den Soldaten, sondern auch Angehörige betrifft,
  • unterschiedliche Phasen eine entscheidende Rolle spielen (Grundausbildung, Studium, Nach Studienabschluss, vor/nach Dienstzeitende (DZE), etc.),
  • ein Unterschied besteht, ob Sie Zeitsoldat oder Berufssoldat sind bzw. werden wollen.

Wir geben Ihnen mit diesen äußerst umfassenden Beiträgen die Möglichkeit, sich selbst schon einmal in das Thema einzuarbeiten. Bitte beachten Sie: es ist keinesfalls unsere Erwartung, dass Sie alle Artikel vollständig lesen! Falls Sie die unten angesprochenen Punkte nicht verstehen können, oder ab dem dritten Beitrag einen mentalen Schwächeanfall bekommen ;-), weil Sie dieses Thema einfach nicht persönlich anspricht, sprich -  wenn Sie schlichtweg keine Lust haben:

Es ist völlig in Ordnung, jederzeit das Lesen zu beenden und direkt einen Experten zu Rate zu ziehen! Nur, bitte schieben Sie das Thema nicht auf!

Achtung! Unterscheiden Sie:

Keine hilfreichen "Experten" sind

  • FFF (Family, Friends & Fools):
    Achtung! Besonders wenn sich Laien zu diesem Thema äußern, werden regelmäßig veraltete oder schlichtweg falsche Aussagen getroffen. Wenn Sie sich erstmalig mit diesem komplexen Thema beschäftigen, werden Sie noch nicht einmal merken, wenn Ihnen jemand Quatsch erzählt. Daneben ist dieses Thema stets individuell zu betrachten - es verbietet sich jegliche Pauschalaussagen - genau das ist es, was Sie vorwiegend von FFF hören!
  • Fachleute, die im Interessenkonflikt mit Ihnen stehen, z.B. Vertreter einer einzelnen Kranken- oder Lebensversicherung oder Krankenkasse. Sie wollen Aufklärung und ein für Sie passende Lösung - der Vertreter will ausschließlich sein Produkt vermitteln, auch wenn es für Sie nicht optimal ist (häufig fehlt beiden Seiten sogar die Kenntnis, dass es so ist)
  • Fachleute ohne Soldatenexpertise

Hilfereiche Experten sind:

  • Versicherungsmakler mit Soldatenexpertise (persönlich haftend, werden vorwiegend über Provisionen bezahlt) oder
  • Versicherungsberater mit Soldatenexpertise (persönlich haftend, werden ausschließlich über Honorar bezahlt).


 

Inhaltsübersicht & Zusammenfassung

In diesem Überblicksbeitrag und den verlinkten Beiträgen erfahren Sie alles, was es zum Thema zu wissen gibt. Lesen Sie die folgenden Zusammenfassungen und je nach Interesse gerne auch die verlinkten, detaillierteren Fachartikel.

 

Wie sind Soldaten und deren Angehörige (Ehepartner und Kinder) gegen Gesundheitskosten abgesichert? Was ist die "freie Heilfürsorge" bzw. die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung?

  • Als Soldat erhalten Sie während Ihrer aktiven Dienstzeit unentgeltliche truppen(zahn)ärztliche Versorgung (UTV/UTZV), umgangssprachlich als "freie Heilfürsorge" bezeichnet. Gleichzeitig sind Sie von der Krankenversicherungspflicht in Deutschland befreit.
  • Im Wesentlichen ist damit alles abgedeckt, allerdings partizipieren Sie mit der UTV/UTZV  nicht automatisch an den höchsten medizinischen Behandlungsmethoden, über die wir in Deutschland verfügen, sondern das was im Sanitätsdienst der Bundeswehr eben übliche Praxis ist.
  • Was fehlt und dringend von jedem Soldaten persönlich abzuschließen ist, ist
    • eine Pflegepflichtversicherung: hier ist ein privater günstiger als der gesetzliche Tarif -  und dabei von den Leistungen komplett identisch.
    • eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Sie ist deshalb zu empfehlen, weil die Bundeswehrverwaltung nur die Gesundheitskosten aus dem Ausland erstattet, die auch innerhalb des Sanitätsdienst der Bundeswehr entstandenen wären. Somit kann ein Soldat ohne Versicherung schnell auf einigen Tausend Euro Kosten sitzen bleiben.
  • Weitere Absicherungen können nach Bedarf abgeschlossen werden, wenn besondere Wünsche bestehen, welche nicht über die UTV/UTZV abgedeckt sind, z.B. im Bezug auf Zahnbehandlungen oder alternative Heilmethoden. Gerade für Berufssoldaten ist dies besonders überlegenswert.
  • Bereits während des aktiven Dienstes haben Zeit- und Berufssoldaten Anspruch auf Beihilfe für berücksichtigungsfähige Personen (Ehegatten und Kinder). Der Beihilfeanspruch beläuft sich bei Eheleuten – innerhalb gewisser Einkommensgrenzen – auf 70 Prozent und für im Familienzuschlag berücksichtigte Kinder auf 80 Prozent der Behandlungs- oder Pflegekosten.
  • Vermeiden Sie unbedingt die "Überraschung in der beitragsfreien Familienversicherung"

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Was ist die Beihilfe und welche Rolle spielt sie bei der Absicherung von Soldaten und deren Angehörigen? Was ist eine sog. Restkostenversicherung?

  • Die Beihilfe bezuschusst erforderliche Aufwendungen in Krankheits-, Geburts-, Pflege- und Todesfällen von deutschen Beamten, Soldaten und Berufsrichter, deren Kinder sowie deren Ehepartnern, soweit diese nicht selbst sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.
  • Grundsätzlich kann man festhalten: die Beihilfe übernimmt im Bereich von Gesundheitsleistungen einen Großteil der Kosten und das Absicherungsniveau liegt bereits spürbar über dem der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
  • Der Differenzbetrag zwischen den Kosten einer medizinischen Leistung und der Erstattung der Beihilfe, also die sog. Restkosten werden über spezielle Krankenversicherungstarife bei privaten Krankenversicherungsunternehmen abgedeckt (Restkosten- oder Beihilfetarife). Besser und günstiger als über die Kombination von Beihilfe und Beihilfetarifen lassen sich  in Deutschland Gesundheitsleistungen nicht absichern. Daraus ergibt sich für Soldatenfamilien ein nicht zu unterschätzender finanzieller Vorteil, der häufig vergessen wird.
  • Der Lösungsansatz für Ehegatten in Bezug auf die Krankenversicherung richtet sich grundsätzlich nach deren eigenem sozialversicherungsrechtlichen Status. Die optimale Lösung ist nicht ohne Weiteres und pauschal zu definieren. Daher sollte eine umfassende Beratung durch Experten erfolgen.
  • Der Lösungsansatz für Kinder ist dagegen klar und einfach: sie sollten grundsätzlich ab Geburt in einem privaten Beihilfetarif versichert werden. Dazu kann die sog. Kindernachversicherung genutzt werden, d.h. das Anrecht, die Kinder ohne Gesundheitsprüfung in die private Krankenversicherung zu bekommen - und zwar auf demselben Leistungsniveau wie ein bereits versicherter Elternteil. Dieses Anrecht ist jedoch zeitlich befristet (i.d.R. 2 Monate ab Geburt).
  • Vermeiden Sie unbedingt die Fallstricke "Der fehlende Krankenversicherungsbaustein" und "Beihilfeantrag im Notfall"

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Was passiert mit der Krankenversicherung / Anwartschaft nach dem Ausscheiden (Dienstzeitende) als Soldat auf Zeit (SaZ) bzw. als Berufssoldat (BS)?

  • Situation für SaZ
    • Mit dem Dienstzeitende (DZE) entfällt die Befreiung von der Versicherungspflicht - der Soldat muss sich wieder "normal" krankenversichern. Ab dem 01.01.2019 haben SaZ keinen Beihilfeanspruch mehr (GKV-Versichertenentlastungsgesetz / GKV-VEG). Je nach  sozialversicherungsrechtlichem Status kann sich für den Ex-Soldaten entweder eine Versicherungspflicht oder eine freiwillige Mitgliedschaft in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ergeben oder aber  die Möglichkeit bestehen, sich direkt in einer privaten Krankenversicherung (PKV) zu versichern.
    • Mit Dienstzeitende ist also (nochmal) eine wichtige Entscheidung zu treffen bzw. zu hinterfragen: möchte ich mich bzw. meine Angehörigen gesetzlich oder privat krankenversichern? Diese Entscheidung ist von äußerster Tragweite - weil Gesundheitsausgaben (Krankenversicherung plus ungedeckte Gesundheitskosten die aus eigener Tasche bezahlt werden) eine der größten privaten Ausgabenpositionen in Deutschland ausmachen.  Es geht um Summen jenseits der 100-200 TEURO. Diese Entscheidung sollte als Familie für alle Familienmitglieder im Gesamten getroffen werden. Daher wäre es äußerst unklug, einfach so zu entscheiden wie "die Anderen" (erw. Familie, Kameraden, Kollegen, etc.) oder sich nur oberflächlich mit dem Thema zu beschäftigen. Bitte meiden Sie unzureichende / zweifelhaften Quellen und "scheinbare" Fachleute!
    • Anders als bei Mannschaftssoldaten und manchen Unteroffizieren ergeben sich bei Ex-Offiziere aufgrund der exzellenten Einkommenssituation mit DZE regelmäßig zwei Optionen: Freiwillig gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu den Höchstbeiträgen oder eine Private Krankenversicherung (PKV). Der Kostenvorteil der PKV ist i.d.R. erst ab dem vierten Kind aufgebraucht.
  • Situation für Angehörige von SaZ
    • Ehegatten sind auch nach DZE - weiterhin auf Basis ihres eigenen sozialversicherungsrechtlichen Status krankenversichert. Auch hier empfiehlt es sich, eine umfassende Betrachtung der gesamten Familie anzustellen, bevor eine  wichtige Entscheidung in Hinblick auf etwaige Veränderungen getroffen wird. 
    • Kinder bleiben auch nach DZE versicherungsfrei und so versichert wie davor - gesetzlich oder privat.
    • Mit dem DZE entfällt der Beihilfeanspruch für die Ehegatten und kindergeldberechtigten Kinder. Sofern diese Angehörigen privat in einem Restkostenversicherung (Beihilfetarif) versichert waren, muss dieser nun in eine Vollkostenversicherung umgestellt werden.
  • Vermeiden Sie als Zeitsoldat unbedingt die Fallstricke "Die Falsche Anwartschaft", "Der vorenthaltene Tarif" und "Frist verpennt"
  • Situation für BS
    •  Auch bei Berufssoldaten tritt mit Pensionierung wieder die Krankenversicherungspflicht ein. Der pensionierte Offizier hat anders als ein SaZ lebenslangen Beihilfeanspruch, weshalb die einzig wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung die Ergänzung dieses Anspruchs mittels privater Restkostenversicherung (Beihilfetarif) ist. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters > 60 Lj. ist kein Wechsel mehr in eine andere Krankenversicherung möglich.
  • Situation für Angehörige von BS
    • Ehegatten haben unverändert einen Beihilfeanspruch, sogar über den Tod des BS hinaus. Da im Ruhestand das Arbeitseinkommen wegfällt dürften i.d.R. diese Beihilfeansprüche aktiv bestehen und es lohnt eine Umstellung in einen Beihilfetarif.
    • Sofern  für Kinder noch Kindergeldanspruch besteht, so besteht auch im Ruhestand Beihilfeanspruch.
  • Vermeiden Sie als Berufsoldat unbedingt die Fallstricke "Der vorenthaltene Tarif" und "Frist verpennt"

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Wie sind Soldaten / Offiziere im Urlaub in Bezug auf Gesundheitskosten abgesichert?

  • Urlaub im Inland:
    • keine Besonderheit - Ihr Ansprechpartner und zwingend erste Anlaufstelle im Inland bleibt der Sanitätsdienst der Bundeswehr.
    • Ausnahme: akute Notfälle - hier können Sie in die Notaufnahme von Krankenhäusern gehen. Dort müssen Sie sich jedoch als Soldat zu erkennen geben.
  • Urlaub im Ausland:
    • Wenn Soldaten während einer Urlaubsreise oder am Wochenende im Ausland (z.B. beim Skifahren) Gesundheitsleistungen (Arztbesuche, Medikamente, Krankenhaushauftenthalte und medizinscher Rücktransport, etc.) beanspruchen, müssen sie diese Leistungen erst einmal selbst bezahlen.
    • Die Bundeswehrverwaltung erstattet Ihnen die im Ausland entstandenen Gesundheitskosten nur in dem Maße zurück, wie sie auch innerhalb Deutschlands angefallen wären. Insofern kann dadurch eine enorme Lücke entstehen, weil der Soldat gerade bei Notfällen überhaupt nicht selbst festlegen bzw. bestimmen kann, auf welche Weise er behandelt wird und welche Kosten daraus resultieren. Die Rechnung ist insofern eine Überraschung und kann schnell einige Tausend Euro finanzielle Belastung beim Soldaten verursachen.
    • Die extrem kostengünstige Lösung für dieses Problem ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Diese zahlt bei Auslandsaufenthalten mit kurzer Dauer (i.d.R. bis 8 Wochen) alle notwendigen und  akuten Behandlungen und auch Krankentransporte vom Ausland zurück ins Inland. Für Medizinstudenten der Bundeswehr gibt es spezielle Produkte, die sogar studienbedingte Aufenthalte (Famulatur / Pj) bis 125 Tage im Ausland absichern.
    • Die optimale Lösung für OA / SanOA bis zum Studienende ist das MLP Starterpaket - dort ist eine kostenfreie Auslandsreise-Krankenversicherung enthalten.
  • Vermeiden Sie unbedingt die Fallstricke "Länger als gedacht im Ausland" und "Versichert und trotzdem Ärger mit der Abrechnung"

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Wie sind Soldaten / Offiziere und deren Angehörige in Auslandsverwendungen in Bezug auf Gesundheitskosten abgesichert?

Das kommt stark darauf an, in welchem Umfang und für welche Zeitdauer Soldaten ins Ausland kommandiert oder versetzt werden und ob dort der Sanitätsdienst der Bundeswehr mit vor Ort ist. Verlässliche Aussagen erhalten Sie von der personalbearbeitenden Stelle oder vom Bundesverwaltungsamt.

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Brauchen Soldaten / Offiziere und deren Angehörige Krankenzusatzversicherungen und wenn ja, in welchen Bereichen?

Auf diese Frage kann keine pauschale Antwort gegeben werden, sondern hier ist eine individuelle Analyse erforderlich. Da der Versicherungswirtschaft sehr vielfältig und dynamisch ist, sollen Sie sich informieren, was Ihnen der Markt bietet und ein maßgeschneidertes Angebot diesbezüglich einholen.

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Was ist eine Anwartschaft bzw. Anwartschaftsversicherung - macht die "kleine" oder die "große" Anwartschaft mehr Sinn für Soldaten? Brauchen mein Ehepartner / meine Kinder auch eine Anwartschaft?

 

  • Eine Anwartschaftsversicherung (ANW) stellt einen Krankenversicherungsvertrag dar, der keinen aktiven, sondern lediglich einen inaktiven, also "schlummernden" Versicherungsschutz darstellt.
  • Anders als bei sogenannten Optionstarifen von Krankenversicherern sind bei einer ANW bereit ganz konkrete Tarife ausgewählt und beantragt, d.h. es kann später nicht beliebig umgestellt bzw. hinzugebucht werden. Dazu wäre (bei Mehrleistung) eine Gesundheitsprüfung erforderlich. Vermeiden Sie daher unbedingt den Fallstrick "Der fehlende Anwartschaftsbaustein".
  • Der Vorteil besteht bei einer ANW, dass der Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Beantragung (also i.d.R. jung und gesund) "eingefroren" wird und damit eine spätere Verschlechterung Ihrer Gesundheit später nach DZE weder zu Beitragszuschlägen noch zur Ablehnung bei der gewünschten Krankenversicherung führen kann. Für dieses "Türe offen halten" berechnen die Versicherer natürlich für die Dauer der ANW verminderte Risikoprämien. Diese können Sie übrigens genauso wie Ihre späteren Krankenversicherungsbeiträge von der Steuer absetzen.
  • Es gibt zwei Arten von Anwartschaftsversicherungen:
    • Bei der kleinen Anwartschaft (kl. ANW) wird nur "die Gesundheit eingefroren" und damit Ihre spätere Versicherbarkeit garantiert. Die geringeren Beiträge einer kl. ANW während der Wehrdienstzeit werden nach DZE von den deutlich höheren , dann aktiven Krankenversicherungsbeiträgen überkompensiert. Diese Variante ist deshalb nur in Ausnahmefällen empehlenswert.
    • Bei der großen Anwartschaft (gr. ANW) wird nicht nur "die Gesundheit eingefroren", sondern es werden bereits sog. Alterungsrückstellungen gebildet. Dies führt dazu, dass der aktivierte Krankenversicherungsbeitrag bei DZE nicht etwa auf Basis der Rechnungsgrundlage 'Eintrittsalter bei DZE' (z.B. mit 40.Lj), sondern auf Basis der Rechnungsgrundlage 'Eintrittsalter bei Diensteintritt' (z.B. mit 19. Lj.) berechnet wird. In der Konsequenz ist der Beitrag deutlich geringer. Infolgedessen kann allen Offizieren unabhängig von der Tatsache, ob sie sich später für eine Karriere als Berufssoldat einscheiden oder nicht, grundsätzlich der Abschluss einer gr. ANW empfohlen werden.
  • Brauchen mein Ehegatte / meine Kinder auch eine ANW?
    • Für Ehegatten kann je nach Versicherungsstatus und eine möglichen Vorversicherungszeit in der privaten Krankenversicherung eine ANW ratsam sein, je nach weiterer Planung ebenfalls entweder als kl. ANW  oder gr. ANW.
    • Für Kinder kommen ANW in der Regel nicht in Betracht, da sie keinen Anwartschaftsgrund vorweisen können. Sie müssen immer aktiv versichert sein.

 

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Wie sieht der optimale Krankenversicherungsschutz nach Wirksamwerden des GKV-Versichertenentlastungsgesetz für Soldaten / Offiziere seit dem 01.01.2019 aus?

  • Für Berufssoldaten ändert sich nichts. Es bleibt bei einer großen Anwartschaft und Pflegepflichtversicherung.
  • Für Zeitsoldaten entfällt der Beihilfeanspruch mit dem Zeitpunkt DZE, sowohl für den Soldaten, als auch für dessen Angehörige. Deshalb haben sich einige Versicherer entschieden, eine ANW nur noch auf Vollkostentarife (ca. 130-150 Euro p.m.) anzubieten, während andere Versicherer ANW sowohl auf Restkostentarife (ca. 30-60 Euro p.m.), als auch auf Vollkostentarife zulassen.  Vermeiden Sie deshalb unbedingt den Fallstrick "Anwartschaft nicht auf Vollkostentarif gebildet"
  • Sobald es Ihre Liquiditätsituation dauerhaft zulässt, sollte die ANW sogar auf Vollkostentarife gebildet werden.  Im Falle der Umstellung zum Berufssoldat kann die Anwartschaft problemlos auf Restkostentarife umgestellt werden - das eingezahlte Kapital geht nicht verloren, sondert reduziert die Beiträge bei Pensionierung um besonderen Maße. Für Angehörige ergibt sich keine Veränderung, nur ein früherer Zeitpunkt eine Umstellung bei Dienstzeitende.

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Ich habe Vorerkrankungen - habe ich noch Chancen auf eine private Kranken(zusatz)versicherung?

Ja, die haben Sie. Grundsätzlich können aufgrund Ihrer Vorerkrankung vier Dinge bei der Beantragung der ANW und der damit verbundenen Risikoprüfung bei einem Krankenversicherer passieren:

  1. Nichts - Annahme des Antrags zu Normalbedingungen.
  2. Risikozuschlag (passiert häufig), d.h. Beitragszuschlag, weil der Versicherer mit Ihrem im Vergleich zum Durchschnitt höheren Gesundheitsrisiko von Beginn an kalkulieren muss.
  3. Leistungsausschluss (passiert selten), d.h. manche Behandlungen, z.B. eine bereits vor Beantragung geplante Zahnbehandlung wird noch ausgeschlossen. Generelle Ausschlüsse sind natürlich nicht möglich, da ja eine allgemeine Krankenversicherungspflicht besteht. Daher greift in schweren Fällen stattdessen:
  4. Ablehnung des Antrags.

Wichtig: die verschiedenen deutschen Krankenversicherungsgesellschaften entscheiden höchst unterschiedlich (abgesehen von gravierenden Erkrankungen wie z.B. Krebs oder Psychosen, die überall zur Ablehnung führen), d.h. ob ein Risikozuschlag überhaupt verlangt werden muss und in welchem Ausmaß ist immer fraglich.

Das sollten Sie tun:

  1. Warten Sie nicht länger!
  2. Machen Sie eine (unverbindliche) Risikovoranfrage zusammen mit Experten bei mehreren Versicherern und
  3. Vergleichen Sie!
  4. Wählen Sie möglichst leistungsstarke Tarife, denn eine zweite (bessere) Chance ist für Sie äußerst unwahrscheinlich.

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Fazit

  • Das Thema Krankenversicherung und Pflegeversicherung ist von äußerster Bedeutsamkeit - schließlich geht es um eines der wichtigsten Themen in Ihrem Leben - Ihre Gesundheit. Daneben werden sich Ihre Gesundheitskosten (Ihre Versicherungsbeiträge plus alle ungedeckten Kosten) mit einigen hunderttausend Euro zu einer der größten Ausgabenpositionen in Ihrem Leben aufsummieren. Ein kleiner Fehler bzw. ein scheinbar geringer Risikozuschlag von einen Euros im Monat summiert sich schnell auf einige zehntausende Euro finanzieller Schaden über eine Laufzeit von 50 und mehr Jahren.
  • Als biometrisches Risiko muss das Thema Gesundheit so früh und so gesund wie möglich abgesichert werden. Dabei ist es wichtig, dass Sie sich alle "Türen offen halten", das bedeutet sowohl im Falle einer Bundeswehr-Karriere, als auch einer zivilen Karriere sollt Ihr gesamtes Leben in Bezug auf Gesundheitskosten optimal abgesichert sind. Optimal bedeutet nicht, dass es eine generell optimale Lösung für Soldaten gibt, sondern bedeutet, dass Sie das für sich individuell klären müssen.
  • Trotz GKV-VEG ist es weiterhin ratsam, neben einer privaten Pflegepflichtversicherung eine große Anwartschaftsversicherung abzuschließen. Sie sichert sowohl den Gesundheitszustand und garantiert daneben niedrige Beiträge bei Verlassen der Bundeswehr. So führen die auf den ersten Blick höhere Beiträge einer gr. ANW zu einer immensen Ersparnis, sobald man Ihr gesamtes Leben rechnerisch betrachtet. Der Versicherungsschutz sollte bei einer der Top-Gesellschaften und in einem leistungsfähigen Tarif erfolgen. Denken Sie stets daran: Sie sichern sich nicht heute als gesunder junger Mensch für eine Phase immerwährender Jugend ab, sondern für jene Phase, wo Sie die Sprechstundenhilfe mit Vornamen kennt.
  • Klarheit bieten Ihnen nur professionelle Versicherungsvergleiche, denn vom Preis kann man keinesfalls auf die Leistung und die Qualität der Gesellschaft schließen; hier existieren schnell 50 % Beitragsunterschiede bei ähnlichen Leistungen.
  • In Ihrer ANW sollten alle relevanten Bausteine inkl. einem Krankentagegeld (mind. die verbrieften Möglichkeit der Hinzunahme des Krankentagegeldes mit Verlassen  der Bundeswehr ohne erneute Risikoprüfung) enthalten sein.
  • Dringend sollte daneben eine aktive Auslandsreisekrankenversicherung bestehen.
  • Unter Umständen kann ein aktiver Krankenzusatzversicherungsbaustein für manche Offiziere / Offizieranwärter empfehlenswert sein, besonders überlegenswert für alle BS.
  • Ein wichtiger Aspekt bei diesem Thema ist und bleibt Ihre Familie. Schließlich sollen alle auf demselben Niveau abgesichert sein. Das Thema Beihilfe sorgt für eine äußerst leistungsstarke und preisgünstige Absicherungsmöglichkeit für Kinder, teilweise sogar für Ehegatten von Soldaten. Während der Dienstzeit sind Zeitsoldaten und Berufssoldaten gleichgestellt, aber seit dem 01.01.2019 (GKV-Versichertenentlastungsgesetz) haben Zeitsoldaten überhaupt keinen Beifhilfeanspruch mehr. Das führt dazu, dass bei einigen Versicherungen bereits ab sofort die ANW nicht mehr auf sog. Restkostentarife (Beihilfetarife) gebildet werden dürfen, sondern auf Vollkostentarife. Die ist mit monatlichen Kosten von 130-160 Euro verbunden, aber bei diesen besonderen Gesellschaften dann alternativlos, will man nicht eine Risikoprüfung bei DZE risikieren (und die würden erfahrungsgemäß dann die wenigsten Ex-Soldaten bestehen). Andere Versicherungen erhalten Ihnen die Wahlmöglichkeit, ob Sie die Anwartschaft auf Restkosten- oder Vollkostentarife bilden.


 

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Unterstützung erhalten Sie bei diesem Thema von unserem Kooperationspartner MLP Soldatenberatung.

 



*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form einheitlich für beide Geschlechter.

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